Leserbrief zu Artikel aus der Rheinischen Post Nr. 32 vom 08.02.2011
Leserbrief von Lieselotte Rabe zum Thema “Zahnarztforderung”.
Der Artikel von Frau Antje Hönig ist sehr von Sachkenntnis geprägt, wenn sie von Dentisten spricht. Das war eine Berufsbezeichnung nach dem Krieg. Also 1945 für eine Übergangslösung des Berufstandes aus unterschiedlichen Gründen. Ich habe 6 Jahre Hochschulstudium absolviert und mein Berufsleben besteht seit dieser Zeit aus von mir bezahlter in meiner Freizeit geleisteter Fortbildung, um den wahnsinnigen Fortschritten in der Zahnmedizin gerecht zu werden. Ansonsten dient der Artikel nur dazu, die üblichen Klischees und die Neidgesellschaft zu bedienen.
Jeder Privatversicherte kann eine Beitragssteigerung seiner Versicherung seit 1988 von ungefähr 400 % nachvollziehen. Da finde Ich 69 % – wenn es denn den Tatsachen entsprechen würde – sehr moderat.
Zu ihren Überlegungen möchte ich noch einige wichtige Informationen hinzufügen. Die Gebührenordnung der Zahnärzte ist 23 Jahre alt. Von der Leistungsumschreibung und deren Vergütung sind bis zum heutigen Zeitpunkt nur geringfügig zwei Positionen verändert worden. Der Wert einer Leistung ist absolut identisch mit der Vergütung von vor 23 Jahren.
Das Entfernen eines Frontzahnes hat vor 23 Jahren 18,12 DM gekostet und kostet heute absolut identisch 9,06 €. Diese Zahlen sind nie in irgendeiner Weise verändert worden, keine Inflationsrate, gestiegene Materialpreise, höhere Energiekosten (die eigentlich jeden Preis eines beliebigen Produktes verändert würden) ist in irgendeiner Art berücksichtigt worden.
Im Gegensatz dazu: die Kassenleistung, bei der es zumindesten jedes Jahr Verhandlungen mit den Kassenvertretern gibt, die Summen oder Punktwerte anzupassen.
Weiterhin ist die doch rasante medizinische Entwicklung dieser langen Zeit im Leistungskatalog gar nicht erfasst und beschrieben.
Bei den Versicherten bestehen auch ein hoher Aufklärungsbedarf über die Kosten, der Rechnungslegung und das Unverständnis der Steigerungsfaktoren, die jeder als Steigerungsfaktor der Kassenleistung zu Grunde legt. Allgemein wird geglaubt, dass der 2,3 fache Satz, das 2,3fache der Kassenleistung ist. Das ist ein großer Irrtum. Die beiden Abrechnungssysteme haben inhaltlich und rechnerisch nichts miteinander zu tun.
Hier zwei Beispiele.
Extraktion eines tief.zerst. Zahn
| GOZ | Privat |
| 1Satz | 15,19 € |
| 2,3 | 37,93 € |
| 3,5 | 53,16 € |
| Kassenleistung | 37.08 € |
Vierflächige Füllung
| GOZ | Privat |
| 1Satz | 16,67 € |
| 2,3 | 38.34 € |
| 3,5 | 50.04 € |
| Kassenleistung | 53.77 € |
Die Beispiele weiter auszuführen würde den Rahmen sprengen. Ich glaube aber, dass man keinen großen Preisunterschied zwischen Kassen- und Privatpatienten entdecken kann und der Steigerungsfaktor nicht ein beliebig Vielfaches des Satzes der gesetzlichen Krankenkassen darstellt.
Lieselotte Rabe
Stellv. Vorsitzende des SDZ
Empörung über Zahnarzt-Forderung
VON ANTJE HÖNING; Rheinische Post Nr. 32 vom 08.02.2011;
Der Zahnärzte-Verband verlangt 69 Prozent mehr Honorar für privatärztliche Leistungen. Die Bundesregierung will zwar eine höhere Vergütung, hält die Forderung aber für unrealistisch. Die Versicherer nennen sie maßlos.
Von Antje Höning
Düsseldorf Die Zahnärzte in Deutschland wollen bei der in Kürze anstehenden Reform der Gebührenordnung eine kräftige Einkommenserhöhung durchsetzen. Sie verlangen, dass das Honorar für die Behandlung von Privatpatienten und die Privatbehandlung von Kassenpatienten um 69 Prozent erhöht wird. “Seit 1988 wurde der Punktwert, nach dem wir bezahlt werden, nicht mehr erhöht. Allein für den Inflationsausgleich über die Jahre ist eine Anhebung des Punktwertes um 69 Prozent notwendig”, sagte Karl-Heinz Sundmann, Chef des Freien Verbands deutscher Zahnärzte, unserer Zeitung. Der Verband ist die größte Interessenvertretung der Dentisten.
Der Präsident der Bundeszahnärztekammer, Peter Engel, hält zwar ein Plus von 69 Prozent für illusorisch. “Doch eine Honorar-Erhöhung im niedrigen zweistelligen Prozentbereich muss sein, um den kräftigen Kostenanstieg auszugleichen”, sagte Engel. Die goldenen Zeiten seien vorbei. Im Schnitt mache ein Zahnarzt im Jahr einen Gewinn vor Steuern von 118 000 Euro.
Obwohl nur zehn Prozent der Bevölkerung Privatpatienten sind, erzielen die 55 000 deutschen Zahnarzt-Praxen im Schnitt fast 50 Prozent ihres Umsatzes mit Privatleistungen, die nach der Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ) abgerechnet werden. Denn auch viele Kassenpatienten müssen privat zuzahlen: wenn sie statt Amalgam eine “weiße” Füllung wünschen oder wenn der Festbetrag der Krankenkasse nicht für einen ansehnlichen Zahnersatz reicht. Und auch diese Zuzahlungen werden nach der GOZ abgerechnet. Hat der Kassenpatient keine private Zusatzversicherung, muss er die drohende Erhöhung allein tragen.
Der Verband der privaten Krankenversicherung (PKV) reagierte empört. “Die Forderung ist keinesfalls berechtigt. Es gibt keinen Nachholbedarf”, sagte PKV-Chef Reinhold Schulte unserer Zeitung. Das Wissenschaftliche Institut der PKV habe nachgewiesen, dass Privatversicherte bei den am häufigsten abgerechneten Zahnarztleistungen nach der GOZ etwa 70 Prozent mehr Honorar zahlten, als es der Bewertungsmaßstab für Kassenpatienten vorsehe, so Schulte.
Ähnlich äußerte sich der Verband der Ersatzkassen (Techniker- Kasse, Barmer, DAK). “Honorarforderungen im zweistelligen Prozentbereich passen nicht in diese Zeit. Hier ist mit Blick auf Versicherte und Patienten mehr Zurückhaltung und Augenmaß gefordert”, sagte Dirk Ruiss, Sprecher des NRW-Verbandes. Ebenso ließ Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) die Forderung als “unrealistisch” zurückweisen. “Sie erschwert unnötig die Beratungen zur Novellierung der Gebührenordnung für Zahnärzte”, erklärte eine Sprecherin.
Seit Jahren schon wird über eine neue Gebührenordnung gestritten. Während einst die rot-grüne Bundesregierung das Honorar für Privat- und Kassenpatienten angleichen wollte, will Schwarz-Gelb den Zahnärzten durchaus Gutes tun. Im Koalitionsvertrag heißt es: “Die Gebührenordnung für Zahnärzte wird an den aktuellen Stand der Wissenschaft angepasst. Dabei sind Kostenentwicklungen zu berücksichtigen.” Noch im Februar soll ein Entwurf vorliegen.
Die Ersatzkassen hoffen, dass damit auch eine andere Art von Klassen-Medizin beseitigt wird: So erhält der Zahnarzt für die Behandlung eines Barmer-Patienten rund acht Prozent mehr als für einen AOK-Patienten. Das kostet die Ersatzkassen 170 Millionen Euro extra im Jahr.
Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege e.V. (DAJ), 17.09.2010
Viele haben gut lachen: Kinderzähne heute gesünder als vor fünf Jahren
Die Mundgesundheit der Schülerinnen und Schüler hat sich zwischen 2004 und 2009 deutlich verbessert. Mehr als die Hälfte der deutschen Schulanfänger haben heute kariesfreie Milchzähne.
Bundeszahnärztekammer, Berlin, 20.05.2009
Europäischer Gerichtshof betont Patientenschutz
Die Bundeszahnärztekammer begrüßt das Urteil des Europäischen Gerichtshofes zum Apothekenfremdbesitzverbot
Freier Verband Deutscher Zahnärzte, 23.03.2009
Professionelle Zahnreinigung treibt den Winter aus
Endlich werden die Tage wieder länger und die Natur erwacht aus ihrem Winterschlaf. Mit den Temperaturen steigt auch der Tatendrang, sich und die Umwelt auf Vordermann zu bringen.
Parodontitis – ein Thema in vieler Munde.
Parodontitis, Zahnfleischschwund, Zahnstein, Plaque – die meisten Patienten wissen heute um mögliche Gefahren für ihr Zahnfleisch und damit für ihre Zähne. Was viele jedoch nicht wissen: Sie sind selber bereits von einer akuten oder beginnenden Erkrankung des Zahnhalteapparats betroffen.
Wegen ein bisschen Zahnfleischbluten direkt zum Zahnarzt? Ja, im Zweifelsfall lieber früher als später. Denn die Folgen eines unbehandelten Verlaufs von Parodontitis sind durchaus schwerwiegend und können bis zum Zahnverlust führen. Soweit sollte es nicht kommen, denn erste Symptome – wie das typische Zahnfleischbluten – sind einfach zu erkennen.
Um Parodontitis zu verhindern oder zu stoppen sind regelmäßige Kontrollen beim Zahnarzt und, falls nötig, professionelle Zahnreinigungen ebenso wichtig wie eine gesunde Ernährung und die gründliche tägliche Pflege von Zähnen, Zahnzwischenräumen und Zahnfleisch. Zu all diesen Themen kann Sie Ihr Zahnarzt ausführlich beraten.
Die gute Nachricht zum Schluss lautet: Zahnfleischbluten, Zahnstein und Karies können, müssen aber kein Hinweis auf Parodontitis sein. Manchmal sind die Ursachen ganz harmlos, mitunter deuten sie auch auf andere Erkrankungen hin. In jedem Fall aber ist es gut zu wissen, wie es Ihrem Zahnfleisch geht.


